Er und Sie
Faszinierend,
diesen Eintrag über jemanden zu lesen, der vorgestern "Versprich mir, dass du nach Mannheim kommst..." ins Ohr geflüstert hat. Faszinierend, dass er jetzt so viel Nähe zulässt, sogar sucht, das hatte er nie getan. Woran es wohl liegt, dass er
wieder so viel Vertrauen zu mir hat.
(Er wird in Ludwigshafen studieren. Ich habe mich in Mannheim beworben, und würde auch gerne, aber die Chancen stehen nicht besonders gut.)
Du läufst weg, ich lauf dir nach, wir fallen hin und müssen lachen.
Szenen im Kopf.
Ich bin dafür, du bist dagegen, ich gehe weg und du legst mir die Hand auf die Schulter damit ich weiß, dass du es nicht so meinst.
Stationen der Zuneigung.
Als ich dich das erste Mal an der Hand mitgenommen habe musstest du hüpfen, um es zu rechtfertigen. Sonntag Abend hast du mich nur angeschaut.
Unsicherheit, die kommt und geht. Fest oder nicht Fest? Das ist die Frage.
Sie spielen unser Wurstbudenlied.
Dass das immer wieder passieren muss.
Man wird Teil derselben Gruppe, man lernt sich kennen, man unterhält sich, man bleibt irgendwie immer aneinander hängen. Es gäbe andere in der Gruppe, mit denen man sich versteht, aber es ist doch immer nur ein Zweiergespräch, eine Nebenhandlung, die von der Umgebung wahrgenommen und interpretiert wird. Und plötzlich steht man vor einer Erwartung, hat den ersten Schritt in eine Schublade gesetzt, in die man von selbst vielleicht nicht einmal reingeschaut hätte. Vielleicht irgendwann, vielleicht in einem Moment des alleine Nachdenkens, aber nicht so. Man wollte nicht zum Gesprächsthema werden, man konnte es nur nicht verhindern. Man konnte sowieso nichts verhindern. Und wollte auch nicht.
Und dann kommt, was kommen muss, nur schneller, als man gedacht hätte. Man merkt, dass es einen Punkt gibt, an dem es nicht weitergeht. Aber man kann auch nicht einfach da stehen bleiben - der Druck von außen. Also fängt man an, es kaputt zu machen. Man redet nur mehr über Unterschiedlichkeiten, schaut sich nicht mehr an, tut alles, um nicht den Eindruck zu erwecken, dass man es je ernst gemeint haben könnte.
Eine rettende Aussprache wird unmöglich. Und nun?
Eigentlich ist es mir noch nie passiert. Aber ich befürchte, es passiert immer wieder.
Gepannt, ob die Beziehung wirklich so kaputt ist, wie sie sich im Moment anfühlt. Es könnte zwar wirklich sein, dass es wieder in die andere Richtung geht, aber mein Vertrauen ist in der Hinsicht gründlich erschüttert. Gespannt.
[Eifersucht ist das Letzte, was dem Ganzen jetzt guttut.]
Ich verstehe dein Sprache nicht. Ich weiß nicht, ob du wirklich meinst, was du sagst, oder ob du versuchst dich zu schützen. Ich bin nicht sicher, ob du mit unserem Spiel umgehst wie ich. Ich kann nicht einschätzen, ob du dich sehen kannst, wie ich dich sehe. Du kannst mich nicht einordnen; ich bin wertlos in deiner Welt, aber du weißt, dass ich es in meiner nicht bin. Ich weiß nicht ob dir auffällt wenn es sich merkwürdig anfühlt, und du kannst es mir nicht sagen. Über Werte können wir nicht sprechen, weil wir erschüttert sind, wie verschieden sie sein können.
Südtirol, am anderen Ende der Welt.
Kein schöneres Spiel als unterschätzt zu werden. Schwächen zeigen, Unsicherheiten - und sich dann doch nicht ausnutzen lassen. Das As im Ärmel, das andere Leben in der Hinterhand. Wer hier mehr zu verlieren hat, wird sich noch zeigen.
Die Rollen getauscht, die Seiten gewechselt. Ich spiele jetzt das Spiel, und ich hoffe du kommst nicht zu Schaden dabei.
Wetteifern, wer mehr Überraschungen für den andern hat.