Bahnhofsglück
Wer sich regelmäßig zum Bahnhof begeben muss, der kann so seine Beobachtungen und Charakterstudien machen, auch wenn es Tage gibt, an denen man gerne darauf verzichten würde. Menschen in der Masse sind nur selten ein Quell der Freude, obwohl sich in ihr immer wieder Spezialisten von erlesener Kuriosität finden. Am schlimmsten ist aber die Routine, die ewige Wiederkehr des Immergleichen (Schröder oder wer hat das noch gesagt). Das geht los mit den dosenbewaffneten Biertrinkern morgens um 6 ("Leute wie Du und ich") und dann gleich weiter mit dem stylischen Tüpen mit hochgelackter Pseudo-Bett-Frisur (wann hat diese Mode eigentlich ein Ende!?), ungefähr Mitte 20, die Bildzeitung lesend - und einen schon gleich morgens daran gemahnend, dass von deutschem Boden nie wieder ein Gedanke ausgehen wird.
Auf dem Bahnsteig dann das übliche Gerenne, Gesummse und Gerempel; junge Männer, die gedankenverloren im Minutentakt vor sich hinrotzen, unverständliche Lautsprecherdurchsagen, aufkommende Hektik, die Herde wird unruhig, der Zug fährt ein. Während beim Morgenzug die Wartenden gelernt haben, den Platz vor den sich öffnenden Waggontüren freizulassen, damit sich zunächst der Strom der Aussteigenden auf den Bahnsteig ergießen kann, peilt die Traube, die sich da nachmittags versammelt, diese schlichte Klugheitsregel einfach nicht, blockiert die Ausgänge, ganz helle Bürschchen versuchen sogar, sofort einzusteigen, ein Gewusel, ein Gewürge, es geht kaum vor und kaum zurück. Ist man dieser gruppendynamischen Ganzkörpererfahrung entronnen, die Stufen vom Bahnsteig hinab vorbei an den Gruppen, die dort auf den Treppen mitten in der Raschhour ihr Picknick einnehmen, die Hip-Hop-Beschallung aus den 1-Euroshops in der Bahnhofspassage hinter sich lassend, nur noch raus hier, nur noch der Geruch von drei Döner-, zwei Pizza- und zwei Bratwurstboden zwischen mir und der Freiheit, und dann endlich: draußen, prasselnder Regen, kalter Wind, ein Taxi, das einen fast umfährt - Freiheit! Endlich Frieden, endlich alles wieder gut!
Auf dem Bahnsteig dann das übliche Gerenne, Gesummse und Gerempel; junge Männer, die gedankenverloren im Minutentakt vor sich hinrotzen, unverständliche Lautsprecherdurchsagen, aufkommende Hektik, die Herde wird unruhig, der Zug fährt ein. Während beim Morgenzug die Wartenden gelernt haben, den Platz vor den sich öffnenden Waggontüren freizulassen, damit sich zunächst der Strom der Aussteigenden auf den Bahnsteig ergießen kann, peilt die Traube, die sich da nachmittags versammelt, diese schlichte Klugheitsregel einfach nicht, blockiert die Ausgänge, ganz helle Bürschchen versuchen sogar, sofort einzusteigen, ein Gewusel, ein Gewürge, es geht kaum vor und kaum zurück. Ist man dieser gruppendynamischen Ganzkörpererfahrung entronnen, die Stufen vom Bahnsteig hinab vorbei an den Gruppen, die dort auf den Treppen mitten in der Raschhour ihr Picknick einnehmen, die Hip-Hop-Beschallung aus den 1-Euroshops in der Bahnhofspassage hinter sich lassend, nur noch raus hier, nur noch der Geruch von drei Döner-, zwei Pizza- und zwei Bratwurstboden zwischen mir und der Freiheit, und dann endlich: draußen, prasselnder Regen, kalter Wind, ein Taxi, das einen fast umfährt - Freiheit! Endlich Frieden, endlich alles wieder gut!














